Online-Predigt (Hutbe): Gebete in den Zeiten des Coronavirus

:الحمد لله رب العالمين. والصلاة والسلام على سيدنا محمد وعلى آله وصحبه أجمعين. أما بعد

:قال الله تعالى في كتابه الحكيم

.أعوذ بالله من الشيطان الرجيم. بسم الله الرحمن الرحيم

اللهُ لاَ إِلَهَ إِلاَّ هُوَ الْحَيُّ الْقَيُّومُ

لاَ تَأْخُذُهُ سِنَةٌ وَلاَ نَوْمٌ

لَهُ مَا فِي السَّمَاوَاتِ وَمَا فِي الأَرْضِ

مَنْ ذَا الَّذِي يَشْفَعُ عِنْدَهُ إِلاَّ بِإِذْنِهِ

يَعْلَمُ مَا بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَمَا خَلْفَهُمْ

وَلاَ يُحِيطُونَ بِشَيْءٍ مِنْ عِلْمِهِ إِلاَّ بِمَا شَاءَ

وَسِعَ كُرْسِيُّهُ السَّمَاوَاتِ وَالأَرْضَ

وَلاَ يَئُودُهُ حِفْظُهُمَا وَهُوَ الْعَلِيُّ الْعَظِيمُ

[سُورَةُ البَقَرَةِ : 2/255]

 

Sehr verehrte Gemeinde,

liebe Freundinnen und Freunde,

vor einigen Jahren hatte ich mich gegen eine aktive Präsenz in den sozialen Medien entschieden und diese auch konsequent durchgezogen. Ich habe den persönlichen Kontakt in meiner Gemeindearbeit und in weiteren Aufgaben vorgezogen.

Leider stehen wir derzeit vor einer großen Herausforderung. Auch ich muss meine Entscheidungen überdenken und meine Tätigkeiten in den Online-Bereich verlagern. Denn die Gemeindearbeit und die Seelsorge müssen den Umständen entsprechend weitergehen.

Das Coronavirus ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Das sage ich nicht als Imam, sondern als ein Bürger, der die Warnungen von Wissenschaftlern und Politikern zu Herzen nimmt.

Als Imam kann ich sagen, dass auch Viren Gottes Geschöpfe sind, so wie auch wir es sind. Eine gesunde Angst kann uns und die Menschen in unserem Umfeld schützen. Aber vor panischen Reaktionen kann auch ich abraten. Kaufen sie soviel ein, dass sie nicht jeden Tag einkaufen gehen müssen. Und kaufen sie zugleich für alte Menschen, für Menschen mit Grunderkrankungen ein. Aber machen sie keine Hamsterkäufe. Hamsterkäufe, die schließlich im Müll landen, sind Verschwendung; und Verschwendung ist nach dem Islam verboten. Zugleich schaden diese Einkäufe unserer Gesellschaft. Bitte handelt daher verantwortungsbewusst.

Wir leben anders als in einem autokratischen Land. Wir leben in einer Demokratie und es gibt genügend Gründe sie zu schützen. In einer Demokratie sind wir als Bürger viel stärker in die Bekämpfung einer Pandemie eingebunden.

Liebe Gemeinde, hochgeschätzte Mitbürger,

lasst uns in dieser Zeit unsere Demokratie stärken, indem wir bereits ohne Verbote unser soziales Leben möglichst herunterfahren. Lasst uns dazu beitragen, indem wir grundlegende Regeln einhalten, wie: richtig Hände waschen, Abstand halten und Bedürftigen helfen.

Wir befinden uns in den gesegneten drei Monaten des Islams. Diese Zeit wird ihren Höhepunkt im Monat Ramadan haben. Lasst uns, liebe Musliminnen und Muslime, diese Zeit effektiv nutzen. Wie bereits gesagt, die neuartigen Coronaviren sind auch Geschöpfe Gottes. Zwei fremde Geschöpfe – diese Viren und wir Menschen – treffen erstmals aufeinander. So wie der ehrenwerte Gelehrte Bediüzzaman Said Nursi es auch sagte: Der Mensch ist Sachen bzw. Menschen gegenüber feindselig, die er nicht kennt. Nicht nur wir, sondern auch die Viren erkennen in uns einen Feind und handeln äußerst aggressiv. Das muss sich ändern. So wie ich die Virologen verstanden habe, gibt es kein zurück mehr. Diese Viren werden ein fester Bestandteil unseres Lebens sein. Genau in dieser Phase befinden wir uns. Im Grunde geht es womöglich darum, dass wir Menschen und die neuartigen Viren lernen müssen, miteinander zu leben. Wir müssen erkennen, dass wir keine gegenseitige Gefahr ausstrahlen. In diesem Punkt kann der Glaube an Gott helfen. Wir können uns in unseren Gebeten an Gott wenden – an den Gott, den Barmherzigen, unter dessen Dienst sowohl wir Menschen und zugleich auch die Viren stehen.

Die vergangene Nacht war die Mīradsch-Nacht, die Nacht, in der unser Prophet – der Gesandte Gottes – die Himmelreise vollzog; Gottes Segen und Barmherzigkeit sei mit ihm. Von dieser Reise kehrte er nur deswegen zurück, weil er uns nicht auf uns alleine stellen wollte. Er wollte uns weiterhin als Wegweiser in schwierigen Zeiten dienen. Als Geschenk brachte er uns das größte aller Geschenke; die Tagesgebete, die wir als alēh oder namaz kennen. Wie viele von euch habe auch ich versucht die vergangene Nacht mit Gebeten zu verbringen.

 

Bella ciao, Italia! Ich habe für euch, für uns – die Menschen in Deutschland – und für Menschen auf der ganzen Welt gebetet. Möge Gott diese Gebete annehmen.

 

.آمِينَ، آمِينَ، آمين. يا رب العالمِينَ