
Warum gedenken wir Menschen? Wen gedenken wir? Jemanden, der uns sehr viel bedeutet? Jemanden, den wir vermissen? Gedenken wir auch Menschen, die wir gar nicht kennengelernt haben?
Es liegt in der Natur des Menschen, diese Welt zu verlassen. Aber nur weil jemand diese Welt physisch verlässt, heißt das nicht, dass es so ist, als hätte diese Person nie gelebt. Im Gegenteil: Die Person lebt weiter, in Gedanken, im Herzen, in Ideen und in Handlungen. Durch das stetige Gedenken an eine Person bleibt die Beziehung zu ihr aufrecht.
So ist es auch mit dem Propheten Muhammed (Friede und Segen seien mit ihm). Im Jahr 632 hat er zwar diese Welt physisch verlassen, dennoch ist er in vielen Herzen präsent. Musliminnen und Muslime bemühen sich, ihr Leben nach dem Vorbild des Propheten (Fsmi) zu gestalten. Sein Leben bzw. seine Handlungen gelten als das erstrebenswerteste Vorbild, an dem man sich orientieren sollte. Denn er ist derjenige, der den Musliminnen und Muslimen zeigt, wie der Koran zu verstehen ist, und ich glaube, es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass er (Fsmi) den Koran verkörpert.
Ich selbst habe den Propheten Muhammed (Fsmi) zu seinen Lebzeiten leider nicht erlebt und habe seinen Antlitz leider nicht gesehen. Doch ich wurde mit Liebe zu ihm erzogen. Die prophetische Tradition (Sunnah) und seine Lebensgeschichte (Sīra) haben mich stets begleitet und tun es weiterhin.
Durch ihn weiß ich, dass man nicht einmal der kleinsten Ameise Schaden zufügen soll. Durch ihn weiß ich, dass man sich stets für Unterdrückte einsetzen, das Gute in jedem Menschen sehen und jedem Menschen sowie jedem Geschöpf Respekt entgegenbringen soll. Denn wir wurden alle von Gott erschaffen. So folge ich auch der Weisheit von Fethullah Gülen:
“Einen Menschen zu respektieren, bedeutet in gewisser Weise auch, Gott zu respektieren.“
Mawlid an-Nabī ist ein Gedenktag für den Propheten Muhammed (Friede sei mit ihm), ein Tag, der an seine Geburt und damit an sein Leben sowie an die Botschaft erinnert, die er uns hinterlassen hat. Obwohl dieser Tag kein religiöser Feiertag ist, spielt er für viele Musliminnen und Muslime eine wichtige Rolle. Sie nehmen ihn zum Anlass, mehr Gebete für den Propheten auszusprechen, Erinnerungsveranstaltungen zu organisieren und Gott zu danken.
Im Koranvers al-Kahf, 18:110, heißt es:
„Sprich: ,Ich bin nichts anderes als ein sterblicher Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden, dass euer Gott der Eine und Einzige Gott ist. Wer also auf das Zusammentreffen mit seinem Herrn hofft, der soll gut und rechtschaffen handeln, und er soll (Ihm) keinen Teilhaber zur Seite stellen bei der Anbetung seines Herrn.‘“
Musliminnen und Muslime hoffen auf ein Zusammentreffen mit Gott und möchten deshalb den Weg des Propheten (Fsmi) gehen. Natürlich ist das nicht so einfach, wie es klingt, denn dieser Weg ist kein leichter und hat Höhen und Tiefen. Auch können die Liebe zum Propheten (Fsmi) und der Wunsch, in seine Fußstapfen zu treten bzw. sich von seinem Licht erleuchten zu lassen, nicht in einen einzigen Tag gepresst werden. Denn wer diesen Weg gehen möchte, braucht Beständigkeit. Dennoch bin ich auch froh, Tage wie Mawlid an-Nabī zu haben, da sie mir Kraft geben, diesen Weg zu gehen, den Weg der Liebe, des Respekts und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Denn all diese Punkte bringen einen zum Wohlgefallen Gottes, welches nach muslimischer Auffassung das Ziel des Lebens ist.
Hinweis: Auf vielen Beiträgen, die sich mit dem Propheten (Friede sei mit ihm) befassen, sieht man entweder rote Rosen, die als Symbolbild für ihn stehen, oder die grüne Kuppel der Moschee in Medina, unter der sich das Grab des ehrenhaften Propheten Muhammed (Fsmi) befindet.


