Zorn und guter Charakter

  • August 4, 2017
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  • Author: Osman Örs

Vers 68:4: “Innaka la ala khuluqin athiim.” / “Und du verfügst wahrlich über einen großartigen Charakter.”

 

Hadith: “la taghdab” faraddada miraaran, qal “la taghdab” / “Zürne nicht!”

 

Verehrte Gläubige,

 

Ein Mann sagte zum Propheten saw: “Gib mir einen Ratschlag!” Der Prophet riet ihm: “Zürne nicht!” Der Mann wiederholte seine Bitte und der Prophet sagte (wieder): “Zürne nicht!”

 

Zorn gehört zur natürlichen Veranlagung des Menschen und ist an sich nicht verboten. Allerdings sollen Muslime, wie im oben genannten Hadith empfohlen, ihren Zorn stets im Zaum halten, ihn kontrollieren, denn sonst birgt der Zorn die Gefahr das Herz des Menschen einzunehmen und keinen Platz mehr zu lassen für den guten Charakter oder die Entfaltung des Glaubens und stört das soziale Band zu unseren Mitmenschen, unserer Familie, Freunden und Nachbarn. Der Prophet erläutert den Zorn wie folgt weiter: “Hütet euch vor dem Zorn; denn er ist ein Feuerbrand, der sich im Herzen des Menschenkindes entzündet. Wenn einer von euch zürnt, röten sich dann nicht seine Augen und schwellen nicht seine Halsadern an?” Der Prophet gibt uns verschiedenen Empfehlungen, wie man handeln soll, um seinen Zorn zu bändigen und sagt: “Und wenn einer von euch etwas von dem (also dem Zorn) an sich bemerkt, dann soll er sich aufs Bett oder flach auf den Boden legen.” Abu Dharr (r) berichtet, dass er folgendes vom Propheten hörte: “Wenn einer von euch zornig ist und steht, soll er sich setzen; wenn auch dann sein Zorn noch nicht vergangen ist, soll er sich hinlegen.”

Woanders rät der erhabene Prophet: “Der Zorn kommt vom Satan und Satan wurde aus Feuer erschaffen. Wasser löscht das Feuer; so soll denn derjenige von euch, der zürnt, die rituelle Waschung (Wudu‘, Abdest) vollziehen.”

Dies sind Möglichkeiten, um das aufgeheizte Gemüt und dem Zustand des Zorns positiv entgegenzuwirken und benötigt einen starken Willen. Man entzieht sich quasi dem Feuerbrand, indem man seine Lage ändert oder der Hitze mit Kühle entgegnet und schafft wieder ein ausgeglicheneres Verhältnis zu seinen Mitmenschen im Diesseits.

 

Der Zorn entfernt einen vom Paradies

 

Der Zorn ist aber insbesondere gefährlich für das jenseitige Leben und kann ein Hindernis zwischen Mensch und Paradies sein. Einmal kam ein Mann zum Propheten und sagte: “O Gesandter Gottes! Lehre mich etwas, das mich dem Paradies näher bringt und vom Höllenfeuer entfernt.” Der Gesandte Gottes antwortete: “Zürne nicht, so wird dir das Paradies gehören.”

 

In einem Gespräch zwischen Jesus (as) und Yahya (as – Johannes dem Täufer) lernen wir einen tugendhaften und einen universalen Umgang, wenn einem etwas vorgeworfen wird und man der Gefahr des Zorns ausgesetzt ist.  So sprach Jesus zu Yahya: “Ich will dich etwas Nützliches lehren: Zürne nicht!” Yahya erwiderte: Wie soll ich es anstellen, nicht zu zürnen?” Jesus antwortet: “Wenn dir jemand zu Recht einen Vorwurf macht, dann sprich unmittelbar danach wenn er mit seinen Worten fertig ist: ‘Ich bitte Allah dafür um Verzeihung.’ Wenn er dir jedoch ohne Grund etwas vorwirft, dann lobe Allah dafür, dass du zu Unrecht beschuldigt worden bist, und betrachte es als eine gute Tat (thawab), die dir zukommt.”

Mit der guten Tat ist in diesem Sinne gemeint: Geduld zu zeigen und seinen Zorn zurückzuhalten vor einer ungerechtfertigten Beschuldigung. Dies ist gewiss keine einfache Haltung, jedoch deutet sie auf den Charakter eines wahren und tugendhaften Gläubigen hin und schützt ebenso vor dem Zorn Gottes, wie ‘Amr ibn al-’As berichtet.

 

Zu guter Letzt sei noch auf den Ratschlag bezüglich einer vertrauensvollen Freundschaft oder Brüderschaft Luqmans gegenüber seinem Sohn hingewiesen. Luqman sprach: “Wenn du mit jemandem Brüderschaft schließen willst, dann erzürne ihn, und wenn er dann im Zorn gerecht gegen dich handelt (dann eignet er sich zur Brüderschaft), wenn aber nicht, dann nimm dich in acht vor ihm.”

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