Unser spirituelles Herz ist dazu da, zu lieben

„O ihr Menschen! Wir haben euch fürwahr aus einem einzigen (Paar von) Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennen möget (und auf diese Weise Beziehungen untereinander knüpft und zusammenarbeitet, nicht aber, damit ihr eure Unterschiede in Rasse oder gesellschaftlichem Rang zum Gegenstand des Stolzes macht und feindselige Gefühle hegt). Wahrlich, der Edelste unter euch vor Gottes Angesicht ist derjenige, der am besten ist in Frömmigkeit, Aufrichtigkeit und Ehrfurcht vor Gott. Gott ist fürwahr wissend, kundig (und mit allem wohl vertraut).“

(el-Ḥudjurāt 49:13)يَٓا اَيُّهَا النَّاسُ اِنَّا خَلَقْنَاكُمْ مِنْ ذَكَرٍ وَاُنْثٰى وَجَعَلْنَاكُمْ شُعُوباً وَقَـبَٓائِلَ لِتَعَارَفُواۜ اِنَّ اَكْرَمَكُمْ عِنْدَ اللّٰهِ اَتْقٰيكُمْۜ اِنَّ اللّٰهَ عَل۪يمٌ خَب۪يرٌ

Liebe Gemeinde, Liebe Gäste,

Wir leben in einem Zeitalter, wo leider Diskriminierung jeglicher Art stattfindet. Sei es auf rassistischer, geschlechtlicher, religiöser oder ethnischer Art. Aber woher kommt denn eigentlich diese Diskriminierung her? Warum sehen sich Menschen aufgrund irgendwelcher Faktoren, die sie besitzen, überlegen und andere wiederum minderwertiger? Dabei sind doch beide Seiten (diejenigen, die diskriminieren, und diejenigen, die diskriminiert werden) Menschen.

Was bedeutet eigentlich Mensch sein? Welche Aufgaben hat man denn als Menschen? Gibt es überhaupt eine Überlegenheit unter den Menschen?

Der Vers, den ich Ihnen soeben vorgetragen habe fängt mit: „O ihr Menschen!“ an, das bedeutet, dass hierfür ohne Ausnahme alle Menschen angesprochen werden. Hier steht nicht „O ihr Gläubigen“ oder „O ihr Muslime“ oder „O ihr Frauen/Männer“, sondern „O ihr Menschen!“.  Gott verkündet in diesem Vers, dass Er die Menschen ganz bewusst unterschiedlich und verschieden erschaffen hat. Und im Anschluss sagt Gott auch, was Er damit bezweckt.

Als Mensch ist unsere größte Aufgabe, menschlich zu sein! Menschlich zu handeln! Rücksicht auf andere zu nehmen! So zu handeln, wodurch niemand Schaden erleidet! Den Nächsten sogar der eigenen Person vorzuziehen und dem Schöpfer Dankbarkeit zu erweisen.

Somit ist die Aufgabe eines jeden von uns: Das Gute zu gebieten und vom Schlechten abzuraten. (El-emri bil ma´ruf ve nahyi anil munker).

Die Aufgaben sind somit klar, jedoch ist die Frage, ob die Ausführung dieser Aufgaben je nach Geschlecht, nach Farbe oder nach Nation variieren?

Sicherlich nicht. Denn alle Menschen sind Geschöpfe Gottes. Und Gott macht keine geschlechtlichen, sprachlichen, regionalen Unterschiede zwischen Seinen Geschöpfen. Woher kommt es also, das wir Menschen uns anmaßen unter den Geschöpfen Gottes – wozu wir ebenfalls zählen – eine Rangordnung zu machen und Personen aufgrund ihrer Herkunft, Farbe, Geschlecht einzuordnen und Ihnen Gottgegebene Freiheiten zu entziehen? Nur Gott allein ist dazu im Stande, unter Seinen Geschöpfen zu unterscheiden. Und für Ihn zählt allein die Frömmigkeit, Aufrichtigkeit und Ehrfurcht vor Gott. Und genau diese drei Faktoren sind nur von Ihm messbar. Niemand kann die Frömmigkeit, die Aufrichtigkeit oder die Ehrfurcht vor Gott des Anderen messen. Somit steht es niemandem zu, sich den anderen gegenüber überlegen zu sehen und gar aufgrund dessen den Nächsten zu diskriminieren.

Die Vielfalt unter den Menschen: Die Geschlechter, die Nationen, die Völker, die Stämme, die Sprachen, die Religionen und alles weitere sind Gaben und Geschenke Gottes. Sie sind eine Bereicherung für die Menschheit und sind nicht dafür da, damit Menschen sich Rivalitäten verschaffen.

Jemandem rassistisch, sexistisch oder anders diskriminierend zu begegnen, ist eine Art Auflehnung gegen Gott. Man sagt, dass das menschliche Leben nur aus drei Tage besteht. Man wird geboren – man wächst – man stirbt. Somit haben wir als Menschen in diesem kurzen Lebensabschnitt eigentlich kaum die Zeit, uns in Streitereien zu begeben. Wir Menschen sollten für Harmonie und gegenseitigen Respekt sorgen. Mit Streitereien kommt man nicht viel weit, man macht sich auch keine Freunde. Streit bringt nur Kummer und Hass mit sich. Auch wenn man das im ersten Blick nicht sieht, schadet Hass der eigenen Person am meisten.

Wohingegen Liebe und Respekt Zuweisung den Menschen immer einen Schritt nach vorne bringt. Unser spirituelles Herz ist dazu da, zu lieben, und hat keinen Platz, zu hassen. Deswegen, meine Liebe Gemeinde und meine lieben Gäste, kann ich uns nur empfehlen, dieses Herz auch richtig zu benutzen, es richtig einzusetzen. Zudem ist Nächstenliebe auch viel leichter und angenehmer. Ich meine, du lächelst jemanden an und steckst die Person mit deinem Lächeln an und diese Person begegnet dich ebenfalls mit einem Lächeln, somit entsteht eine schöne Kettenreaktion. Es ist also ganz einfach. Werte wie Gutmütigkeit, Nächstenliebe, Toleranz, Respekt und Ehrlichkeit sollten gepflegt und weitergegeben werden. Denn nur so können wir erst Mensch sein und unsere Aufgabe als Mensch in Erfüllung bringen.

Drum bete ich zu Gott, dass in unseren Herzen kein Platz für Hass- und Neidgefühle entstehen sollen. Das ein jeder von uns Freude ausstrahlt und Nächstenliebe zeigt. Dass für die kommenden Generationen der Begriff „Diskriminierung“ nur noch als ein Fremdwort vorhanden ist.