„Bewahre Allah, dann bewahrt er dich!“

„Dem, der recht handelt – ob Mann oder Frau – und gläubig ist, den wollen wir gewiss zu einem guten Leben wiedererwecken; und Wir werden gewiß solchen (Leuten) ihren Lohn nach der besten ihrer Taten bemessen.“ (Nahl 16:97)

(Nahl 16:97).مَنۡ عَمِلَ صَـٰلِحً۬ا مِّن ذَڪَرٍ أَوۡ أُنثَىٰ وَهُوَ مُؤۡمِنٌ۬ فَلَنُحۡيِيَنَّهُ ۥ حَيَوٰةً۬ طَيِّبَةً۬‌ۖ وَلَنَجۡزِيَنَّهُمۡ أَجۡرَهُم بِأَحۡسَنِ مَا ڪَانُواْ يَعۡمَلُونَ

Verehrte Muslime,

Allah ist al-Hafiz, unser Beschützer und Hüter. Und bedarf keines Schutzes, gewiss! Trotzdem spricht unser erhabener Prophet (ﷺ – Friede und Segen seien mit ihm) „Bewahre Allah, dann bewahrt er dich!“.

Welche Weisheit steckt hinter diesen Worten und wie sollen wir dies verstehen? Darum geht es in unserer heutigen Predigt.

In dem Hadith heißt es ausführlich wie folgt:

Von Abu al-‚Abbas ‚Abdullah Ibn ‚Abbas, Allahs Wohlgefallen auf beiden: Ich war eines Tages hinter dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und er sagte: „O Jüngling, ich lehre dich einige Worte: Bewahre Allah, dann bewahrt Er dich. Bewahre Allah, dann findest du Ihn vor dir. Wenn du bittest, dann (er) bitte von Allah. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Allah. Und wisse, daß die Gemeinschaft, wenn sie sich versammelt, dir in einer Sache zu nutzen, sie dir nur in etwas nutzt, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat, und daß sie, wenn sie sich versammelt, dir in einer Sache zu schaden, sie dir nur in etwas schadet, das Allah schon für dich niedergeschrieben hat. Die Schreibrohre sind hochgehoben und die Schreibblätter getrocknet.“ (Hadith Nr. 19 in: „Hadith für Schüler – 40 Hadithe mit Kommentar“ von Imam an-Nawawiy)

Imam an-Nawawiy deutet diese Worte wie folgt: „Halte Allahs Gebote ein und befolge sie und enthalte dich dessen, was er verboten hat. Dann behütet Er dich während der Wechselfälle deines Schicksals, im Diesseits und im Jenseits.“

Ohne Zweifel ist der Mensch vergesslich und schwach und bedarf des Schutzes. Das Einhalten der Gebote und Enthalten von den Verboten erinnert uns ständig an unseren Schöpfer und hält das Band zwischen uns und Ihm aufrecht. Es ist Ausdruck einer gewissen Haltung und Treue. Gleichzeitig geben uns seine Gebote, die er mit Weisheit für uns erwählt hat – sei es das Gebet, der Dhikr, das Fasten usw., also alle Gottesdienstlichen Handlungen – Halt. Sie geben uns Halt und Standfestigkeit im Leben, insbesondere wenn uns schwere Prüfungen treffen, und erinnern uns ständig an Ihn – unseren Schöpfer -, der uns immer Stütze im Leben ist, der uns das Leben und all die Gaben um uns herum schenkte.

Und Er schützt uns, indem wir das Band mit Ihm aufrecht halten, nicht nur im Diesseits sondern auch im Jenseits. So verspricht Gott es im folgenden Vers (16: 97) „Dem, der recht handelt – ob Mann oder Frau – und gläubig ist, den wollen wir gewiss zu einem guten Leben wiedererwecken…“

Dieser frohen Botschaft müssen wir uns stets bewusst sein und wir können hoffen, dass wir durch unser rechtes Handeln gebunden an unseren Glauben auch ein gutes Leben im Jenseits finden werden. Und gleichzeitig müssen wir uns auch stets bewusst sein, dass, wenn uns ein Unglück trifft, nicht  Gott die Ursache ist, sondern wir – also der Mensch selbst – durch unser unnachsichtiges Handeln die Ursache dafür sind. So heißt es im erhabenen Koran: „Und was euch an Unglück treffen mag, es erfolgt auf Grund dessen, was eure Hände gewirkt haben. Und Er vergibt vieles.“ (Schura 42:30)

Verehrte Gläubige,

wie schön ist doch der Schluss dieses Verses: „Und Er vergibt vieles!“ Er ermahnt uns und gleich im Anschluss schenkt er uns Hoffnung. Diese Hoffnung ist die Stütze des Gläubigen und gibt uns immer Kraft! In einer anderen Überlieferung spricht unser Prophet (ﷺ): „Bewahre Allah, dann findest du Ihn vor dir.“ Und gebunden an diesen Hadith ist auch folgendes Wort des Propheten (ﷺ): „Lerne Allah im Wohlleben kennen, dann kennt Er dich in der Drangsal.“

Das bedeutet, dass wir insbesondere in Zeiten, wo es uns gut geht, stets Allah gedenken und uns an seine Gebote halten sollen. Damit gebunden ist somit auch die Hilfe und Unterstützung von Ihm, wenn wir wirklich in Not sind. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Geschichte des Propheten Jonas (Yunus) (Friede sei mit ihm). Erinnern wir uns, was Gott hierzu sagt: „Und wenn er nicht zu jenen gehört hätte, die (Allah) preisen, wäre er gewiß in dessen Bauch bis zum Tage der Auferstehung geblieben.“ (Saffat 37: 143-144).

Seine Errettung beruhte also auf sein rechtes Handeln und sein Lobpreis bevor er in Bedrängnis geriet. Dies sollte auch uns ein Zeichen sein.

 

Teil 2

 

„Und wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen, was er in seinem Innern hegt; und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader.“ (Kâf 50:16)

(Kâf 50:16) .وَلَقَدۡ خَلَقۡنَا ٱلۡإِنسَـٰنَ وَنَعۡلَمُ مَا تُوَسۡوِسُ بِهِۦ نَفۡسُهُ ۥ‌ۖ وَنَحۡنُ أَقۡرَبُ إِلَيۡهِ مِنۡ حَبۡلِ ٱلۡوَرِيدِ

„Wenn du erbittest, dann (er)bitte von Allah“ (Hadith, überliefert von an-Nawawiy, S. 148)

Verehrte Gläubige,

in der vergangenen Predigt erinnern wir uns zurück daran, dass wir insbesondere in unserem Wohlergehen Gott gedenken sollten. In dem umfangreichen Hadith heißt es an der einen Stelle: „Lerne Allah im Wohlleben kennen, dann kennt Er dich in der Drangsal.“ Wohlergehen ist keine Selbstverständlichkeit und unser Prophet (ﷺ) ermahnt uns mit folgenden Worten: „Es gibt zwei Gaben deren Wert die meisten Menschen nicht zu schätzen wissen: Gesundheit und Freizeit.“ (Buhari, Rikak, 1)

Leben, Gesundheit und Verstand sind Dinge, die uns Gott geschenkt hat und damit verbunden sind unsere Verantwortlichkeiten gegenüber Gott und seiner Schöpfung. Unser Gottesdienst, den wir Gott gegenüber verpflichtet sind, gibt uns dabei halt im Leben und nährt unsere Seele, unser Herz. Unser aufrichtiges Wirken und Dienst gegenüber der Schöpfung und unseren Mitmenschen erhält unsere Welt und Gesellschaft am Leben.

Um dieses auch wirklich in einer gesunden Art und Weise umzusetzen bedarf es der Wertschätzung unserer Gesundheit als auch unserer freien Zeit. Genauso wie wir wachsam sind gegenüber gesellschaftlichen Umständen oder Missständen, müssen wir auch wachsam sein unserem Körper gegenüber und der Zeit, die mit unserem Körper und unserem Dienst unmittelbar verbunden ist. Wir sehen von unserer Kindheit an, wie die Zeit unseren Körper mitgestaltet, wie wir wachsen und gedeihen. Im Alter merken wir dann, wie Zeit und Gesundheit Hand in Hand gehen und welch sensibles Gleichgewicht zwischen beiden herrscht.

Bequemlichkeit, Faulheit oder Passivität sind wiederum Schwächen, die unsere kostbare Zeit zunichte machen, sowohl materiell als auch immateriell. Es sind Dinge, die wir als Gläubige ständig reflektieren müssen. Wir müssen stets wachsam sein gegen solche Schwächen, die wir in uns tragen. Der innere Streit mit diesen Dingen ist unser „effort intellectuel“ oder unser großes Bemühen, den wir ständig auszutragen haben. Sich diesem Streit aktiv zu stellen ist wichtig, denn er hält uns körperlich wie geistig am Leben. Sich diesem inneren Streit nicht zu stellen, oder nicht bewusst zu sein, führt zur Gleichgültigkeit (Ghafla) und führt ins Verderben auf vielen Ebenen.

Verehrte Gläubige,

bei jeder Lesung der erhabenen Sure al-Fatiha suchen wir Beistand bei Gott, indem wir dies wie folgt ausdrücken: „und Dich allein bitten wir um Hilfe, suchen Zuflucht bei dir“. Denn wir sind uns bewusst über unsere eigenen Schwächen und wir vertrauen auf Gott und seine Barmherzigkeit.

Vertrauen in seinen Schöpfer bedeutet, dass man sich stets bewusst ist, dass er uns näher ist als unsere Halsschlagader, wie es so schön heißt im Vers: „Und wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen, was er in seinem Innern hegt; und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader.“ (Kâf 50:16)

Die Sure al-Asr ist uns eine stetige Richtschnur in unserem Leben: „Beim Nachmittag/ der Zeit! (1) Die Menschen sind wahrlich im Verlust (2); außer denjenigen, die glauben und gute Werke tun und sich gegenseitig die Wahrheit ans Herz legen und sich gegenseitig zur Geduld anhalten. (3)“

Unser Glaube ist also eng gebunden an das aktive Handeln und Wirken – an die Tat, die nicht irgendeine Tat sein soll, sondern gute, dem Menschen dienliche, nachhaltige Tat.
Diese ist gebunden an Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit und diese wiederum gebunden an die empfohlene Geduld. Nicht umsonst erinnert uns unser Prophet (ﷺ), dass „die Geduld der Hälfte des Glaubens entspricht“. (Bukhari, Kitab al‘ilm)

Mögen auch wir stets zu den Aufrichtigen und den Geduldigen im Glauben sowie im Handeln gehören! Amin.