Mawlid an-Nabiy – Gemeinsam gedenken

Mawlid an-Nabiy – Gemeinsam gedenken

Andacht zum Anlass des Mawlid an-Nabiy (Geburtstag des Propheten ﷺ) beim House of One

 

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.

O Gott! Segne den Propheten Muhammed ﷺ und seine Familie, und schütze uns um dieses Segens willen vor allen Kümmernissen und Unglücken; stille all unsere Bedürfnisse, und reinige uns von allen Sünden.

„Er ist von mittelgrosser Statur, weder aussergewöhnlich gross noch besonders klein. Seine Haare sind nicht ganz glatt, aber auch nicht lockig. Sein Name ist Ahmed. Sein Geburtsort ist Mekka. Dies wird auch der Ort sein, an den er als Prophet entsandt wird.“ Dies überlieferte sein Gefährte Amir bin Rabi’a.

Der Prophet Muhammed (ﷺ – Friede und Segen seien mit ihm) – Segenswünsche für den Propheten im Anschluss an die Erwähnung seines gesegneten Namens auszusprechen ist laut der der islamischen Normenlehre eine Sunna – wurde im Jahre 571, dem zwölften Tag im Rabiual-awwal, dem dritten Monat des islamischen Kalenders, als Waise zur Welt gebracht.

Noch als seine Mutter schwanger mit ihm war, verlor er seinen Vater; im Alter von fünf bis sechs Jahren verlor er auch seine Mutter. Daraufhin nahm sein Großvater Abdulmuttalib ihn in seine Obhut. Nachdem auch er gestorben war, nahm ihn mit acht Jahren sein Onkel Abu Talib in seine Obhut.

Das Schicksal trennte ihn von seinen Geliebten, um ihn darauf vorzubereiten, Gott völlig ergeben zu sein. Alle, die ihn schützten, verschwanden einer nach dem anderen aus seinem Leben, und er wurde im Geist und Offenbarwerden der Einheit Gottes unmittelbar und tatsächlich an die Obhut Gottes erinnert.

Bis zu seiner Berufung als Prophet trug er schon einige Charakterzüge des Prophetentums. Er hat kein einziges Mal die Unwahrheit gesagt. Die Stadt Mekka sah ihn als einen vertrauenswürdigen Menschen an und vertraute ihm sein Leib und Gut an. Im Alter von 40 Jahren bekam er vom Engel Gabriel die erste Überlieferung aus dem Koran.

Wegen seiner Botschaft Gottes an die Mekkaner und die ganze Menschheit, mussten er und die Gläubigen viele Jahre des Boykotts und der Repressalien durch die Bewohner von Mekka erdulden und waren am Ende gezwungen zu fliehen und nach Medina auszuwandern. Medina sollte ihm seine neue Heimat sein und ihn den Rest seines Lebens und Wirkens Geborgenheit schenken, bis zu seinem Tod. Sein Grab befindet sich ebenso dort.

Mawlid, der Tag, den wir heute feiern, wurde zum ersten Mal von den Fatimiten im 11. Jahrhundert  eingeführt. Seit dem 11. Jahrhundert wird diese Andacht weitergeführt. In den meisten muslimischen Ländern gilt der heutige Tag als ein Feiertag. 

An diesem Tag finden Koran-Rezitationen statt. Über die Botschaft Gottes wird reflektiert. Die „Sirah“, also die Prophetenbiographie, wird vorgelesen und einstudiert. Es wird gekocht und gebacken für die Familie, Freunde und bedürftigen Menschen.

“Und Wir sandten dich nur als Barmherzigkeit für die Welten.” (Anbiya, Vers 107)

Es ist sein Streben nach gesellschaftlichem Frieden und gegenseitigem Verständnis zwischen seinen Mitmenschen, sein Ruf der Gottergebenheit und weitere Gegebenheiten aus seinem Leben, an die sich die Muslime am diesem Tag erinnern. Gemeinsam mit Freunden und Familie widmen sie sich dem Gebet und der Lesung des Korans, sprechen über den Tag hinweg oft die Segensformel „Oh Gott! Segne unseren Propheten Muhammed und schenke ihm Heil“, und erinnern sich an seinen vorbildhaften Charakter und sein Wirken.

Kein Prophet kommt auf die Erde, um einen Staat oder ein Reich zu gründen, sondern als Lehrer, um ideale Menschen zu erziehen und das im Menschen versteckte gewaltige Potenzial freizusetzen, das Wesen des Menschen in einen reinen Spiegel zu verwandeln, in dem der Schöpfergott sich widerspiegeln kann.

So sehr die Liebe des Propheten und sein vorbildhafter Charakter eine starke Rolle im Islam spielt, so ist gleichzeitig aber auch die Bedeutung der anderen Propheten vor ihm mindestens genau so wichtig. Daran erinnert uns der Vers 2:285: „Wir unterscheiden nicht zwischen den Propheten“.

Daher sind die Gläubigen angewiesen, unter den Propheten keine Unterscheidung vorzunehmen und ihnen die gleiche Ehre zuzuweisen.

Die rote Rose, die sie anfangs empfangen haben, symbolisiert in der anatolisch-muslimischen Region den Propheten Muhammed (ﷺ) und erinnert uns an die Schönheit und Reinheit seines Charakters und wird an diesem Gedenktag als Zeichen der Freundschaft an alle Freunde und Nachbarn gereicht.

Zum Abschluss wünschen wir unseren muslimischen Freund*innen ein gesegnetes und friedvolles Mawlid an-Nabi und bedanken uns bei unseren jüdischen & christlichen Freunden für das Zusammenkommen an diesem bedeutenden Tag.

Abschlussgebet:

O Gott, schenke den Propheten Muhammed (ﷺ) und allen Gesandten und Propheten und ihren Familien und Gefährten, Deinen Frieden und Segen. Und lass ihre Botschaft des Friedens auch unser Miteinander stärken. Amin.

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Herrn aller Welten.